KVHBF Vitrinen
FOTO_MAXIMILIAN_GINTARRA.jpg

Vitrinenpräsentation zum 125. Jubiläum des Bahnhofs Hamburg-Harburg

12. Mai — 29. Mai 2022, 23:59 Uhr

Am 1. Mai 1897 eröffnete der heutige Bahnhof Hamburg-Harburg als Hauptbahnhof der damals eigenständigen Stadt Harburg. Das Gebäude des Architekten Hubert Stier (1838 – 1907) ist als reiner Ziegelbau entworfen, der sich durch klassizistische Elemente in Anlehnung an die Renaissance und die Gotik auszeichnet.
Anlässlich des 125. Jubiläums des Bahnhofs in diesem Jahr zeigt der Kunstverein Harburger Bahnhof in den Vitrinen auf Gleis 3/4 eine kleine Präsentation von historischen Aufnahmen und Ansichten des Gebäudes. Parallel dazu präsentieren wir die Gewinner:innen unseres Fotowettbewerbs zum Bahnhofsjubiläum. Hamburger Schüler:innen waren aufgerufen, sich mit der Kamera auf einen Streifzug durch das heutige Bahnhofsgebäude und seine Umgebung zu begeben. Eine Jury, bestehend aus dem Hamburger Künstler Volker Renner und dem Team des Kunstverein Harburger Bahnhof, wählte darunter die besten Fotos aus. Diese sind dem historischen Bildmaterial gegenübergestellt, sodass ein Dialog zwischen dem Heute und Gestern entsteht. Den ersten Platz belegte Maximilian Gintarra von der Beruflichen Schule Hamburg-Harburg (BS 18) mit einer präzisen Architekturstudie. Der zweite Platz geht an Jette Jennrich aus der 5. Klasse am Marion Dönhoff Gymnasium, die mit einer stimmungsvollen Fotoserie überzeugte. Den dritten Platz teilen sich Ada Weber aus der 6. Klasse von der Rudolf Steiner Schule Harburg, Saskia Tauchert von der Beruflichen Schule Hamburg-Harburg sowie Fiona Keziah Beese aus der 11. Klasse vom Gymnasium Altona. Wir gratulieren allen Gewinner:innen ganz herzlich!



Hubert Stier, ein Architekt der wilhelminischen Epoche
Ein Text von Thomas Edelmann
 
Denkmäler, Rathäuser, Museen und nicht zuletzt Bahnhöfe waren die Spezialität des Architekten Hubert Stier. Seine Werke finden sich im Argentinischen La Plata ebenso wie in Harburg. 1838 in Berlin geboren, wählte Stier wie bereits sein Vater, der Schinkel-Schüler Wilhelm Stier (1799–1856), den Beruf des Baumeisters. Ab 1883 lehrte er an der Technischen Hochschule Hannover. 
Hubert Stier begann 1866 seine Laufbahn als Beamter und Architekt. Die Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen im gleichen Jahr führte zu Modernisierung und Neubau vieler norddeutscher Bahnhöfe. Von 1876 bis 1880 war Hubert Stier bei der Eisenbahndirektion Hannover beschäftigt. Im letzten Jahr seiner Tätigkeit dort, eröffnete der Hauptbahnhof Hannover – eines seiner herausragenden Eisenbahn-Projekte, die er bis ins Detail durchgestaltete. Auch detaillierte Pläne Stiers für den Bahnhofs Uelzen sind erhalten. Der Bau wurde 1888 eröffnet und im Zuge der Expo 2000 nach Ideen von Friedensreich Hundertwasser zum Umwelt- und Kulturbahnhof umgestaltet. Der Bremer Hauptbahnhof (1886–1889) und der im Krieg beschädigte, später abgerissene neogotische Hildesheimer Bahnhof (1882–1984) stammten ebenso von Stier wie der Bahnhof Kreiensen (1886–1889). Der Harburger Bahnhof war sein letztes realisiertes Eisenbahn-Projekt. Auch an Wettbewerben für Frankfurt am Main, Luzern und Metz nahm er mit beachteten Entwürfen teil. Über die Bahnhofsbauten Stiers schrieb der Kunsthistoriker Klaus Siegner 1986 zum Harburger Bahnhof, dieser stehe von seiner Gesamterscheinung her „zwischen Gotik und Renaissance. Die Motive sind aber so frei abgewandelt, dass eine Zuordnung zu historischen Epochen letztlich nicht möglich ist.“ Der Typ des reinen Ziegelbaus sei hier „am konsequentesten durchgeführt,“ so Siegner.
Mit der Firma MAN war Stier beim Wettbewerb für die alte Harburger Straßenbrücke (heute Alte Harburger Elbbrücke) erfolgreich. Anders als in der Literatur gelegentlich behauptet, stammt der ausgeführte Entwurf der steinernen Brückenportale jedoch von dem Hamburger Architekten Georg Thielen. Das dritte Projekt, von dem ein Entwurf Hubert Stiers für Harburg überliefert ist, war der Wettbewerb für das Rathaus. Dabei erreichte er den 3. Platz. 
1907 starb Hubert Stier in Hannover. Er „verstand es meisterhaft,“ schrieb sein Kollege Karl Mohrmann im Nachruf, „die Gesamtgestalt und die Einzelheiten eines Bauwerks aus den inneren Forderungen zu entwickeln; soweit die immer neuen Aufgaben ihm Muße ließen, drückte er selbst dem kleinsten Schmuck den Stempel persönlicher Eigenart auf.“