KVHBF Vitrinen
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Grind&Shine Inc. by Cake&Cash presents
Francis Kussatz

21. August — 3. Oktober 2021

Francis Kussatz und Xiaofu Wang stellen mit den fiktiven Personas Young Business Woman Without A Business und Sick Person die Definitionen von Funktionalität und Produktivität in Frage und laden dazu ein, diese im eigenen Denken zu dekonstruieren. Beide Figuren sind Schöpfungen, die bisher vornehmlich in Videos und Fotos in den sozialen Medien in Erscheinung traten. In den Vitrinen des Kunstvereins erhalten sie nun eine physische Bühne, auf der die beiden Charaktere über den Bahnsteig hinweg mit sich und den Vorbeigehenden in einen Dialog treten. Die Personas stehen als Tropen sinnbildlich für das soziale Dilemma der Generation Y; zwischen Authentizitätsstreben und Überanpassung.

“Don’t assume anything about anyone.”, sagt die Young Business Woman Without A Business in einem ihrer Videos. Trotzdem oder genau deswegen stellt sich die Frage: Wer sind diese Charaktere, die ihren Weg aus der TikTok-Welt (#diaryofasickperson) nach draußen angetreten haben?

 Die Young Business Woman… ist erwerbslos und postet Coachings auf Instagram. Auf den ersten Blick erscheint sie als gescheiterte Existenz, die versucht, aus ihrem Scheitern Kapital zu schlagen. Ein wenig verkrampft trägt sie ihre Situation nach außen, vermeintlich um ihr Selbstwertgefühl aufzupolieren. Tatsächlich wehrt sie sich aber sich gegen den Eindruck, erwerbslos und damit nutzlos zu sein. Die Young Business Woman… ist kein „Opfer“ des Arbeitsmarktes. Ihr Nicht-Partizipieren am kapitalistischen System versteht sie als Notwendigkeit für eben dieses. Der gesellschaftliche Blick auf ihr (Nicht)-Handeln ist Bezugsrahmen für ihren Aktivismus. Die Young Business Woman… manifestiert eine Welt ohne Geschäft und Ausbeutung. Sie weiß, dass dies bedeutet, dass es kein Business mehr geben kann 

Ihr gegenüber steht die Sick Person, deren Krankheitsverlauf in Form eines Online-Tagebuchs geteilt wird. In den Videos spricht die Sick Person niemals selbst, sondern eine Off-Stimme erzählt: “The only thing that irritates is the sick person - every person passing by, triggers an uncomfortable desolate feeling - it is as if the sick person is carrying the discomfort of others.” Die Sick Person spiegelt menschliche Zerbrechlichkeit und symbolisiert Unzulänglichkeit und Endlichkeit. Die Persona schafft Unbehagen und reflektiert Ängste vor Ineffizienz und Kontrollverlust.

 Beide Charaktere bewegen sich in ähnlichen Räumen und stecken in ihren jeweiligen Endlosschleifen fest. Sie schaffen eine persönliche Verbindung zum Publikum, indem sie vertraute Momente der Krankheit und des Zweifelns, der Krise und des Ausgelaugtseins ins Bild setzen.

Die Sick Person und die Young Business Woman… versuchen die Angst vor dem eigenen Scheitern umzuadressieren und diese in eine Skepsis zu verwandeln, die sich gegen ein System richtet, das Menschen als ersetzbare Teile eines Verwertungskreislaufs betrachtet.

Mehr Informationen zur Ausstellungsreihe hier

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