Ausstellungen
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Adam Christensen
Küss mich, bevor du gehst.

11. September — 14. November 2021

Der Kunstverein Harburger Bahnhof freut sich, Adam Christensens erste Einzelausstellung in Deutschland zu zeigen. Der in Dänemark aufgewachsene und in England lebende Künstler verwebt in seinen Arbeiten biografische mit theatralen Momenten und Träume mit Traumata. Daraus entstehen mitreißende und humorvolle Performances, Filme, Kurzgeschichten oder Stoffarbeiten, die von Liebe, Verlangen, Melancholie und Verlust durchzogen sind. Christensens Arbeiten nehmen ihren Ausgang in persönlichen Erfahrungen, die er um fiktionale Elemente erweitert. Die in den so gesponnenen Geschichten auftretenden Figuren reichen von angstgetriebenen und sexbesessenen Teenager:innen über Film-Noir-Antiheld:innen bis zu großen Hollywooddiven, die mit ihren eigenen archetypischen Rollenzuschreibungen exaltiert spielen. In seinen Videos, Performances und Installationen inszeniert Christensen das Häusliche und Alltägliche als Spektakel, dessen Theatralik durch intime und stille Momente gebrochen wird. Die großen und kleinen Auftritte sind bei Christensen schonungslos ehrlich und emotional direkt.

Die Ausstellung Küss mich, bevor du gehst zeigt eine Auswahl an Videoarbeiten. Death by Mystery Part I & II (2020) entstanden während des ersten Lockdowns in der Londoner Haus-WG des Künstlers, in der sich ein hedonistisches Szenario entspinnt. Christensen tritt hier im fliegenden Wechsel als Privatperson und als sein Performance Alter Ego Madame de Dangé Laïm auf. Wir schauen dabei zu, wie er einen verflossenen Liebhaber als kalorienschweren Kuchen backt, um im nächsten Moment als singende Grand Dame mit Akkordeon das Publikum in ihren Bann zu ziehen und heiter-erotisch-schaurige Geschichten vorzulesen. In gleicher Frequenz wie die Rollen wechseln die Settings zwischen Bühnenmomenten und banaler Häuslichkeit. Dabei ist es nicht der Filmschnitt, der den Übergang bestimmt, sondern Christensens Bewegung durch das Haus, bei der die Kamera ihm folgt. Zwischen inszenierter Illusion und dezidiertem Alltag, zwischen Theatralität und Realität erhöht sich das Tempo der Erzählung voller Sex, Glamour, Mord und unerwarteten Wendungen.

Ganz anders operiert der Film Under Hypnose, der im Spätsommer 2020 entstand, als Christensen aufgrund eines Todesfalls in der Familie zu seiner Mutter und Schwester nach Dänemark reiste. Der Künstler tritt hinter die Kamera, mit der er ein subjektiv-dokumentarisches Porträt des Hauses, in dem er aufwuchs, mit all seinen Geschichten zeichnet. Die Innenaufnahmen des Hauses werden von Gesprächsfragmenten zwischen ihm und seiner Mutter und Schwester begleitet. Immer weiter entfalten sich Erinnerungen an die Vergangenheit: Kindheitsspiele; die Trennung der Eltern und der Streit ums Sorgerecht; die Angst der Mutter, ihre Kinder zu verlieren und vor ihrem Ex-Mann. Der Film erzählt keine stringente Familienchronik, sondern zeichnet den immer subjektiven Charakter und die Unvermitteltheit plötzlich auftauchender Erinnerungen nach. Das Haus nimmt dabei widersprüchliche Rollen ein; es ist sicherer Rückzugsort und weckt zugleich schmerzhafte Erinnerungen.

Die Ausstellung wird durch zwei frühere Videoarbeiten ergänzt. Aus Patchwork gefertigte, großformatige Stoffarbeiten komplettieren die Szenerie. Sie zeigen Charaktere und Szenen aus Christensens künstlerischem Universum - ausschnitthaft und anspielungsreich.

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