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Wallace Lino
How to: Fiktion, Erinnerung und Territorium und der Streit um das Selbst am Ende der Welt

27. Mai, 18:00 Uhr — 27. Mai 2021, 22:00 Uhr

Registrierung bis 10.5.2021
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Wallace Lino ist schwarzer LGBTQIA+ Multikünstler und arbeitet seit über 15 Jahren in Theatergruppen und Kollektiven, die in der Favela Maré gegründet wurden. Auf den dabei gesammelten Erfahrungen zu Themen wie Erinnerung, Rasse, Geschlecht, Sexualität und Territorium sowie unzähligen Daten basiert der Workshop, der gemeinsam mit den Teilnehmer:innen kollektive mündliche Fiktionen anstoßen sowie Alltag und Selbst infrage stellen will.
Der brasilianische Atlas der Gewalt 2019 weist auf die Zunahme der rassistischen Ungleichheit zwischen Schwarzen und Nicht-Schwarzen in Brasilien hin: 75,5% der Mordopfer waren 2017 schwarz und pardos (gemischter ethnischer Hintergrund) und auch sozial und wirtschaftlich sind sie verwundbarer. Die historische und sozio-strukturelle Dynamik des Koloniallandes Brasilien führt trotz wichtiger Fortschritte in der Gesetzgebung Brasiliens und der Welt im Bereich der LGBTQIA+ Agenda zu einem übergreifenden Zusammenhang von Rassismus auf der einen und Gewalt in Bezug auf Geschlecht und Sexualität auf der anderen Seite. Die schwarze LGBTQIA+ Bevölkerung wird der Ausrottung, Auslöschung und täglichen sozioökonomischen Verwundbarkeiten ausgesetzt. Im gegenwärtigen Moment der Pandemie ist es besonders wichtig, auf die Existenz und die Erzählungen von Körpern aufmerksam zu machen, die von der Geschichte ebenso ausgeschlossen sind wie von der brasilianischen Gesellschaft und ihren Rechten.
Im Jahr 2020 begrenzten Abgeschiedenheit und Isolation das Erleben auf virtuelle Erfahrungen, das darin beschränkt wurde auf ein Verschmelzen von Ereignissen, modellhaften Beziehungen und sozioökonomischen Verwundbarkeiten. Auch künstlerische Handlungen waren auf virtuelle Erfahrungen begrenzt, womit sich ihnen die Infragestellung des Alltags geradezu aufdrängt. In dieser neuen Realität existieren zwischenmenschliche Beziehungen als ständige sprachliche Hervorbringungen, vermittelt durch Kameras, Handys und Computer, die zusammengenommen eine Art großes Live-Kino oder Kameratheater schaffen. Ausgehend von diesen Bedingungen will der Workshop Fiktionen eröffnen, die sich mit unserer Realität verweben, um mitten im Ende der Welt neue Geschichten hervorzubringen.

Wallace Lino: Forscher, Schauspieler, Regisseur, Bühnenautor und Erzieher. Hochschulabsolvent Lehramt für Theater an der UNIRIO, schreibt derzeit seine Masterarbeit im Rahmen des von der brasilianischen Regierung betriebenen CEFET-Programms über ethnische Beziehungen. Seit 2005 Mitbegründer und Mitglied von Cia Marginal, einem Theater-Ensemble in der Favela Maré. Lino ist Mitbegründer der Gruppe Atiro 2016 und wirkt dort als Regisseur und Bühnenautor.
 Er war als Autor, Regisseur und Dramaturg u.A. beteiligt an Corpo Minado em Quarentena (2020), Família Virtual (2020) und Quintal C11 (2020), neben der Teilnahme an der Mitgestaltung des Projekts Entidade Maré (2020), Curta Entidade (2020) und Radio no lance (2020).

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