Jahresgaben
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RUTH BUCHANAN
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Ruth Buchanan untersucht in ihren Performances, Installationen, Audio-Arbeiten, Publikationen und Filmen – häufig durch einen spezifischen Einsatz von Sprache – die Bedingungen von Informationsverarbeitung im Kontext kultureller Produktion. Ausgangsorte für ihre Recherche basierten Arbeiten sind in der Regel Sammlungen, Archive, Bibliotheken, Ausstellungsräume, mit deren Strukturen sie sich auseinandersetzt. Dabei hinterfragt Buchanan die impliziten Vereinbarungen der Verarbeitung, Organisation und Präsentation von Material.

In ihrem jüngsten Werkkomplex, der in Kooperation mit dem Badischen Kunstverein (Karlsruhe) und dem Institute of Modern Art (Brisbane) entstanden, fragt Buchanan nach Begegnungen von Mensch und System. “Or, a camera Or, a building Or, a screen“ (Kunstverein Harburger Bahnhof, 2015) war der dritte Teil dieser Ausstellungsreihe und fungierte als eine Art Epilog. Buchanan brachte hier mehrere auditive Arbeiten mit grafischen, skulpturalen und performativen Elementen im Raum zusammen. Die sprachbasierten auditiven Arbeiten kondensierten und reformulierten die andernorts gezeigten Teile des zusammengehörigen Werkkomplexes – eine Performance, ein Film und eine Ausstellung – in ein auditives Echo. Buchanan verweist dabei in einer Art Appendix mit sieben Hörstücken auf aktuelle und historische Beispiele, die eine Begegnung von Körper und Apparat – im Sinne von einer Material verarbeitenden oder organisierenden Struktur – implizieren und wesentliche Ausgangspunkte für ihre Auseinandersetzung darstellten. Jenseits dieser konkreten Recherche basierten Referenzen untersucht Buchanan die Auseinandersetzung von Subjekt und System in “Or, a camera Or, a building Or, a screen“ auch in weiteren Arbeiten maßgeblich mittels Sprache, da diese selbst unweigerlich ein Feld der Interaktion von Subjekt und System darstellt. In assoziativen, teilweise an konkrete Poesie erinnernden Sprachstücken ersetzt Ruth Buchanan hier fortlaufend sich wiederholende Begriffe und rekontextualisiert diese. Ihre alternativen Ordnungen brechen die zuvor etablierten Setzungen auf und generieren weitere Konstellationen. Die neu geschaffenen Beziehungen verändern Status und Bedeutung der verhandelten Gegenstände. Ihr nicht realisiertes Potential sowie die Definitionsmacht der Sprache werden offenbart. Dies gilt nicht nur für ihre auditiven Arbeiten, sondern auch für Papierarbeiten, die als graphische Pendants zu jenen assoziativen poetischen Sprachstücke gesehen werden können. Für die Jahresgaben des Kunstvereins Harburger Bahnhof hat Buchanan drei verschiedene Motive ausgesucht, die je in zweifacher Auflage erhältlich sind.

Ruth Buchanan (*1980 in New Plymouth, Neuseeland) lebt und arbeitet in Berlin. Ihre jüngsten Einzelausstellungen wurden u.a. präsentiert im Badischen Kunstverein, Karlsruhe und Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg (2015); Hamburger Bahnhof, Berlin (2014); Hopkinson Mossman, Auckland (2014); Grazer Kunstverein, Graz (2011); Casco – Office for Art, Design and Theory, Utrecht (2010); The Showroom, London (2009). Viele weitere Institutionen zeigten ihre Performances: Institute of Modern Art, Brisbane (2015); Tate Modern, London (2011); Kunsthaus Bregenz, Bregenz (2010).

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