Editionen
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BÖHLER/HOEFNER/LOHMANN/SACHS
Beschäft 1-8


Ein Stück Beschäft
Das Objekt hängt an der Wand: ein Stück, herausgeschnitten aus einer tauschfähigen Holzpalette 1.Wahl, darauf schablonenhaft eingebrannt ein Vogelmotiv, irgendwo
platziert auf dem rustikalen Bildgrund. Es handelt sich bei den 8 Unikaten der Edition um exklusive Relikte eines begehbaren Monuments aus 1.000 Europaletten, das die Künstler im Januar 2007 im Harburger Kunstverein errichteten.
Damit beauftragt, ihre künstlerische Tätigkeit auf das Stichwort »Arbeit« auszurichten, sind die Künstler dabei das Beschäft eingegangen, aus ihrem skulpturalen
Interesse heraus in das funktionstüchtige System »Arbeit« einzugreifen, es zu komprimieren und zu transformieren, es umzubauen und umzugestalten.
Mit ihrer Edition bringen sie die ästhetischen Qualitäten eines Symbols der Arbeit zum Vorschein. Sie thematisieren die natürliche Patina, die sich durch den potenziell unendlichen, globalen Mehrwegkreislauf auf der Europalette bildet. Beiläufig wird dabei auf der Ebene der künstlerischen Produktionsästhetik zudem eine symbolische Patina sichtbar: Die kunsthandwerkliche Geste des Brandzeichnens belegt in herbeizitierter Biederkeit, dass ein gewisser Fleiß an der Palette gelassen wurde.
Die Künstler denken so im Medium der Kunst nicht nur über "Arbeit" nach, sondern reflektieren auch die Kunst selbst: Heiter und lakonisch spielen sie mit dem künstlerischen Arbeitsbegriff, der auf rasante und inflationäre Weise den Werkbegriff abgelöst hat und dem aktuell ein universeller Monopolstatus beizumessen ist.

"Die Künstler zeigen ihre neue Arbeit — Daran haben sie viel gearbeitet — Sie bringen ihre Vorstellung von Arbeit zum Ausdruck:Die Arbeit kostet 180 Euro".

Text: Susanne Schröder


Über die Künstler

MICHAEL BÖHLER (* 1972 in Stuttgart): Studium Freie Kunst an der Bauhaus Universität Weimar und an der HfBK Hamburg (Fachbereich Bühnenbild); lebt und arbeitet in Berlin

FRANZ HÖFER (*1970 in Starnberg): Studium Freie Kunst an
der Bauhaus-Universität Weimar; lebt und arbeitet in Berlin

HARRY SACHS (*1974 in Stuttgart): Studium Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und an der HfBK Hamburg; lebt und arbeitet in Berlin

MARKUS LOHMANN(* 1970 Münster/Westf.): Diplom Produktdesign an der FH Münster; Studium Freie Kunst an der HfbK Hamburg; lebt und arbeitet in Hamburg.


Gemeinsame Ausstellungsprojekte

- 2007 (Reihe:Ordnung sagt) ARBEIT,Kunstverein Harburger Bahnhof

- 2006 Gründung Skulpturenpark Berlin_Zentrummit den Ausstellungsreihen Parcella und Spekulation(2007) sowie Landreform (2008), in Kooperation mit der Bundeskulturstiftung, dem Hauptstadtkulturfonds und der Stiftung Kunstfonds

- 2004 Douaneville, Installation einer temporären Siedlung auf einem ehemaligen Zollgebäude, Speicherstadt Hamburg

- 2003 Neuhaus Wohnerlebniswelt, Ausstellungsreihe P2-Kulturblock, Halle-Neustadt

- 2002 Mehrzweckhalle Baumaßnahmen in der Hafencity Hamburg, Baltic Biennale Artgenda in Hamburg

- 1999  Aktivposten, Neu Deli, Weimar

- 1998  Tranz(it)Formation, Cluj (Rumänien)


»Was die Künstler Michael Böhler, Franz Hoefner, Markus Lohmann und Harry Sachs in den Kunstverein hineingebaut haben, ist äußerst konkret, eine überwältigende, jedes Maß sprengende Installation. Aus etwas 1000 Europaletten haben sie eine Pyramide errichtet. Es ist so, als trüge die Europalette als Readymade eines modernen Wirtschaftsbegriffs sich selbst zu Grabe. Das mit Wirtschaftsleben gesättigte Material ist einige Monate dem Warenkreislauf entzogen und darf symbolisch zum pharaonisierenden Großgrab der Vorstellung werden, für alle sei immer
genug Lohnarbeit zum guten Leben lieferbar. Doch das Ende der Arbeit ist noch lange nicht das Ende des Tätigseins. Eingestreut in das Innere dieses Endzeitbaus sind Ergebnisse ziemlich merkwürdiger Hobbys: Paillettenstickerei wird zur Palettenstickerei und Holzbrandzeichnung appliziert emblematische Darstellungen.
Immer wieder taucht das Zeichen des Phoenix auf, des mythischen Vogels, der sich durch Verbrennen erneuert. Geht es darum, dass es notwendig wäre, endlich wieder einen anderen Arbeitsbegriff zu bekommen, einen, bei dem das müßige Liegen in einer Hängematte keine Beschimpfung mehr ist? Eine der dem künstlerischen Arbeitsbegriff näher kommt: Selbstbestimmte Arbeit aus interesselosem Wohlgefallen?«
Hajo Schiff im Kunstforum International


Zur Unterstützung der Arbeit des Kunstverein Harburger Bahnhof e.V.
wird das Ausstellungsprogramm von Künstler-Editionen begleitet.
Die Editionen sind exklusive Originalkunstwerke in kleiner Auflage und nur über den Kunstverein zu beziehen. Sie stellen ein interessantes Angebot ausschliesslich für die Mitglieder des Kunstvereins dar, denn sie bieten die Möglichkeit zu einem einmaligen Preis ein Kunstwerk zu erwerben.
Haben Sie Interesse an dem Erwerb? Sprechen Sie uns an. Sofern Sie es noch nicht sein sollten, dann werden Sie Mitglied.


Kunstverein Harburger Bahnhof e.V.
Hannoversche Str. 58
21079 Hamburg
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