Editionen
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ERAN SCHAERF
August 14, 2001 (The Candidate Israel Rejected Is elected Patriarch, Peace Agreement Between Abanien Rebels and Macedonian, Israeli Astronaut will Be Sent to Space in May 2002, IDF Destroys Headquarters in Jenin)

Für den Kunstverein Harburger Bahnhof gibt uns Eran Schaerf einen ersten Einblick in eine neu entstandene Serie von Bildern, die sich mit der Politik von Bildredak tionen in der Presse beschäftigt. Ausgangspunkt dieser Edition ist die Früh- und Spätausgabe der israelischen Tageszeitung «Haaretz» vom 14. August 2001. Die Auswahl dieses Datums, wie auch die Bedeutung der Ereignisse ist
dabei willkürlich. Zwar transportiert er uns die Headlines des Tages noch im Titel mit, aber die Message dieses Mediums kann vielmehr nur eine sein: der Tag hat hier zwei Kompositionen – oder eben metaphorisch gelesen, endlos viele. Und durch diese Feststellung ist man mitten im künstlerischen Werk von Eran Schaerf. Im Editorial seines Katalogs Blue Key schreibt er, von Tageszeitungen habe er gelernt, daß man von da an, wo zwei Bilder an einem Ort zusammen auslegt werden, von einem inszenierten Ort sprechen könne. Das Prinzip der Montage sieht bei ihm vor, bildgewordene Wirklichkeit in ihre Einzelteile zu zerlegen und neu zusammen zu fügen. Dadurch werden Assoziationsketten eröffnet und es thematisieren sich Bedeutungsebenen, die entsprechende Fragestellungen über Konstruktion von scheinbarer Realität und ihren einzelnen Wertigkeiten provozieren. Im besonderen stellt sich hier auch die Frage der Repräsentation: Vergeblich wird man versuchen, Schaerf vor seinem jüdischen Hintergrund, aus seinem künstlerischen Werk heraus eine Position im palästinensisch-israelischen Konflikt zu suggerieren. Er benutzt das Material vielmehr mit der gleichen nüchternen Selbstverständlichkeit, wie er das mit anderem Material auch tut. Seine Position bleibt vor allem eben eins: differenziert, aber auf keinen Fall beliebig. Die Position, die aus seinen Montagen spricht, ist daher nie seine einzelne, sondern eine polylogische, zwischen dem Künstler, dem Publikum und dem Kontext der Begegnung.

Die Sensibilität für den eigenen Betrachtungs-Standpunkt und die entsprechende Bereitschaft zur Verausgabung im Sinne einer abzulegenden Bedeutungsökonomie ist es, die Schaerf voraussetzt und eben nicht ein bestimmtes Wissen. Eine Sensibilität, die sich auch im haptischen Umgang mit dem Material ausdrückt: Man beachte die spezielle Technik mit der er die Bilder aufgezogen, umgeschlagen und für eine Hängung auf der Rückseite assembliert hat. Unter Berücksichtigung von Vorder- und Rückseite, formell wie auch inhaltlich, ergibt sich für mich eine Stimulanz: Die von Schaerf entwickelten Werke sind ein präziser Anreiz, über das Verbindende, wie auch Trennende im Gemeinsamen zu sprechen.

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