Editionen
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LINN SCHRÖDER
o.T.(St.Petersburg)


Zur Unterstützung der Arbeit des Kunstverein Harburger Bahnhof e.V. wird das Ausstellungsprogramm von Künstler-Editionen begleitet.
Die Editionen sind exklusive Originalkunstwerke in kleiner Auflage und nur über den Kunstverein zu beziehen. Sie stellen ein interessantes Angebot ausschliesslich für die Mitglieder des Kunstvereins dar, denn sie bieten die Möglichkeit zu einem einmaligen Preis ein Kunstwerk zu erwerben.
Haben Sie Interesse an dem Erwerb? Sprechen Sie uns an.
Sofern Sie es noch nicht sein sollten, dann werden Sie Mitglied.

Kunstverein Harburger Bahnhof e.V.
Hannoversche Str. 58
21079 Hamburg
Tel.: 0049 (0) 40 76753896
Email: info@kvhbf.de

Die Wunderkammer im Kunstverein Harburger Bahnhof:

#1 Michael Böhler / Franz Höfner / Markus Lohmann / Harry Sachs
#2 Kai Schiemenz
#3 Honey-Suckle Company
#4 Jochen Schmith
#5 Eran Schaerf
#6 Linn Schröder

Über die Künstlerin Linn Schröder

geb. 1977 in Hamburg, lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin
1998 – 1999 Studium Kunstgeschichte, Universität Hamburg
1999 – 2004 Studium Kommunikationsdesign Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg
2004 Diplom Kommunikationsdesign/Fotografie
2005 Studium Fotografie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich
2004 – 2006 Aufbaustudium Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg

Ausgewählte Ausstellungen von Linn Schröder

2007– Förderpreis Wüstenrot, C/O Berlin "Der Winterwind bläst Milliwatt. Die Augen der Katzen Blinzeln", Raum für Photographie, Hamburg (E)
"Schon vier Uhr... Ich bin 19mal aufgestanden um den Mund zu bewundern", Plan B Kunstraum, Hamburg (E)
"Birds Opening", Kunsthaus Hamburg
"Wer wäscht hier?" Forum im Dominikanerkloster, Frankfurt (E)
2006 – "Neueinstellung Deutschlandbilder", Goethe Institut Helsinki; Haus des Künstlers,Moskau; Galleria Grazia neri, Mailand; Pfefferberg, Berlin
2005 – "Im Osten", Kunstverein Heidelberg; Galerie nord/Kunstverein Tiergarten, Berlin Tiere die in Städten leben, Künstlerhaus Frise, Hamburg
2004 – "Du tanzt großartig, sprach ich ihn an. Als wärst Du selbst Musik" "Danke, sagte der Zwerg etwas affektiert". Ausstellungsraum Taubenstrasse, Hamburg (E)


Preise und Auszeichnungen

2006 – Förderpreis der Wüstenrot Stiftung für Dokumentarfotografie
2005 – Anerkennung 7. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie
2005 – Ehrenvolle Erwähnung Oskar Barnack Preis
2004 – BFF-Förderpreis für die besten Diplomarbeiten im Bereich Fotografie
2003 – Kodak nachwuchs Förderpreis


Der eilende Passant trägt sein privates Universum innerlich mit sich – er denkt, plant, sinniert, träumt, spinnt – und gleichzeitig gelingt es ihm souverän, ganz dem Außen dienlich zu sein. Er funktioniert als effizienter Verkehrsteilnehmer, weicht Hindernissen aus, beschleunigt oder verlangsamt seine Geschwindigkeit, arbeitet mit Grün- und Rotphasen der Ampeln, mit Geräusch- und Geruch-, mit Architektur- und Konsumkulissen. Als Individuum bildet der Passant pars pro toto selbst eine Kulisse. Es ist seine große Fähigkeit, sich ein übermäßiges Interesse an den anderen, reizvollen, sich impulsiv stellenden Landschaften nicht anmerken zu lassen: Sein universal gleichgültiger Blick degradiert die eigene Erscheinung einer dreidimensionalen Kulisse zur Flächigkeit einer Fassade. Als leite sich das Gesicht (face) von der Fassade (façade) ab und nicht umgekehrt, reiht der Mensch sich ein in das Zusammenspiel der leblosen Materien. Linn Schröder thematisiert dieses Phänomen in ihrem Bild nicht nur – sie bricht es auf und erweitert es um einige bemerkenswerte Facetten. Sie begnügt sich nicht mit der Rolle eines dokumentierenden Voyeurs. Vielmehr greift sie in das Geschehen ein und wird so indirekt selbst Teil des von ihr provozierten, hochgradig erzählerischen Moments. In aufdringlicher Nähe muss sie sich am Rande des Bürgersteigs positioniert haben – so nah wie möglich, um die Aufmerksamkeit der Gesichter auf sich zu
ziehen und ihre Reaktion in voller Schärfe einzufangen  – und doch weit genug entfernt, dass eine unüberbrückbare Distanz bleibt, ohne die das Bild in seiner großartigen Komposition nicht entstehen würde. Zweierlei Umstände, die St. Petersburg zum Zeitpunkt der Aufnahme des Fotos bereithält, transzendieren diesen Realismus auf magische Weise: Das weißliche Tageslicht enthebt die Szenerie einer konkreten Zeitlichkeit. Es bewirkt, dass die Menschen sich silhouettenhaft vom Hintergrund abheben - von einem Hintergrund, der reine Simulation einer historistischen Bürgerhausfassade ist, eine Architekturfolie aus Plastik, die während des G8 Gipfels 2006 die hässlichen Stellen der Stadt übermalt und sie künstlich korrigiert.

Text: Susanne Schröder