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Nachruf

Thursday, December 12, 2019

Der Kunstverein Harburger Bahnhof trauert um seinen langjährigen Förderer Prof. Dr. Dieter Bobbert, der am 3. Dezember 2019 im Alter von 81 Jahren verstarb. Ohne ihn und seine mutige wie nachhaltige Unterstützung gäbe es diese kleine aber bedeutende Kulturinstitution nicht. Dreimal stellte er maßgebliche Weichen für deren Entwicklung. Als Leiter des Werkes Hamburg der damaligen Daimler-Benz AG (1983–2002) unterstützte er die Initiative der Künstler Udo Dettmann und René Havekost, im Hamburger Süden einen Kunstverein zu gründen und diesen im ehemaligen Wartesaal I. und II. Klasse des Harburger Bahnhofes anzusiedeln. Dank seiner und der Initiative von Dr. Hanns Kippenberger, damals Generalbevollmächtigter der Deutschen Bank in Hamburg, beteiligten sich einige Unternehmen der Region, um den jungen Verein zu fördern. Als der Kunstverein später in eine konzeptionelle wie finanzielle Krise geriet, engagierte sich Bobbert zunächst im Vorstand, später im Kuratorium, um der Harburger Kulturinstitution zu einer beständigen Entwicklung zu verhelfen. Ende 2004 traf sich Bobbert mit Prof. Martin Köttering dem Präsidenten der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK). Bei dieser Gelegenheit vereinbarten Köttering und Bobbert, die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Kunstverein weiter zu intensivieren. Der Kunstverein Harburger Bahnhof mit seinem einzigartigen Raumangebot entwickelte sich zu einem anerkannten Experimentierfeld für die Präsentation junger Gegenwartskunst. Kuratorinnen und Kuratoren können hier ihre ersten beruflichen Erfahrungen sammeln, darunter auch viele Absolventinnen und Absolventen der HFBK.Manchen von ihnen gelang seither bereits eine glanzvolle kuratorische Karriere. An den Feiern zum 20jährigen Bestehen des Kunstvereins Harburger Bahnhof konnte Prof. Dr. Dieter Bobbert, der bereits erkrankt war, nicht mehr teilnehmen.

Neben seiner Tätigkeit als Kunstförderer hat sich Dieter Bobbert vor allem in seinem Beruf um die Entwicklung Hamburgs als Industriestandort und insbesondere den Hamburger Süden verdient gemacht. Nach dem Studium des Eisenhüttenwesens an der TU Clausthal promovierte er 1968 in Hannover zum Thema „Untersuchungen über das Vergüten aus der Schmiedewärme“ und war danach in Industrieunternehmen tätig. Nach Hanomag-Henschel in Hannover (1969–1972) kam er als Leiter Prüfwesen 1972 ins Werk Wörth der Daimler-Benz AG, 1981 kam er in die Unternehmenszentrale nach Untertürkheim, wo er dem Stabsbereich von Vorstand Prof. Werner Niefer angehörte. 1982 wurde er von Niefer als Produktionsleiter ins Hamburger Mercedes-Werk entsandt. Aus Sicht der Zentrale galt dieser, erst 1978 ins Unternehmen eingegliederte Standort als problematisch. „Bei hohen Kosten wurde vielfach schlechte Qualität abgeliefert“, wie sich Bobbert in einem Beitrag für das 2010 erschienene Buch „Mercedes-Benz Werk Hamburg“ erinnert. Der Werkstoff-Experte Bobbert wurde zum „Architekten des Aufstiegs“. Er etablierte neue Fertigungstechniken sowie eine eigene Entwicklungsabteilung und senkte in dauerhaft vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Belegschaft den Krankenstand. Mitarbeiter wurden aufgerufen, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des eigenen Arbeitsplatzes vorzuschlagen. Dem „vergleichsweise kleinen Werk, weitab von den großen Zentren der Mercedes-Fertigung“ sicherte er durch Spezialisierung im Konzern die Daseinsberechtigung. Ein Gesamtpaket, das später in der Unternehmensorganisation als „Hamburger Weg“ gewürdigt wurde. Im Jahr 2000 verlieh die TU Hamburg-Harburg Dieter Bobbert, der bereits während des Studiums als Dozent an der Staatlichen Ingenieurschule Hannover sein Wissen auf dem Gebiet der Werkstofftechnik in der Lehre weitergab, den akademischen Titel Professor. An der TU Harburg lehrte er Betriebsmanagement und -organisation. Auch nach seinem altersbedingen Ausscheiden im Mercedes-Werk Hamburg blieb er lange als Berater in der Automobilindustrie tätig.

Der Kunstverein Harburger Bahnhof bewahrt Prof. Dr. Dieter Bobbert ein ehrendes Gedenken und übermittelt seiner Familie, insbesondere Frau Irene Bobbert, die ihren Ehemann im Kunstverein oftmals begleitete, seine trauernde Anteilnahme.