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ANNIKA BENDER
Tod einer Kritikerin

Sonntag, 9. Oktober 2016

"Die Selbstkritik des Kunstbetriebs hat sich längst soweit professionalisiert, dass sie zum festen Repertoire ihres Ausstellungsprogramms gehört. Gleiches gilt für die allseits beliebte Problematisierung eines irgendwie alles durchdringenden Kapitalismus. In der Kunstwelt ist sich jeder seines eigenen ambivalenten Involviertseins bewusst."

Im Februar 2016 erschien ein Nachruf auf die Kunstkritik, auf den bereits eingestellten donnerstag-Blog, auf die Kriterin Annika Bender. Bender war das Pseudonym, unter dem die Hamburger Künstler Steffen Zillig und Dominic Osterried anonyme Ausstellungskritiken verfasst hatten. Der Artikel legt dar, was die Beweggründe waren, unter fremdem Namen zu publizieren: Selbstschutz in einer personell überschaubaren Kunstwelt, aber vielmehr noch der Versuch, eine personengebundene Aushebelung der Kritik zu umgehen. Das Schreiben im Digitalen schien Möglichkeiten neuer Diskursformen zu eröffnen. Doch gerade die Sicherheit der anonymisierten Kritik stellt nach Zillig und Osterried ihr größtes Problem dar:

"Obwohl der Donnerstag fast ausschließlich von der Kunstwelt rezipiert wurde – es gab zumindest keinerlei Hinweise darauf, dass irgendjemand Anderes ihn lesen würde –, war er eben nicht Teil der Gemeinschaft, sondern umso mehr Zaungast, je präziser und differenzierter er wurde. Für mich, die immer Außenstehende war und bleiben wollte, war das Experiment damit gescheitert."

Kritik, so das Fazit, braucht persönliches Stellungbeziehen, damit man ihrer Vereinnahmung zumindest die eigene Person entgegen halten kann.