Ausstellungen
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GERNOT FABER
Proberaum

30. Januar — 21. Februar 2010

Gernot Faber, unverkennbar mit großem Kopf und fettigen, langen Haaren, ist eine fiktive Persönlichkeit, kreiert 2006 von den beiden Hamburger Künstlern Sebastian Reuss (*1974) und Lutz Krüger (*1972). Seitdem hat Gernot Faber jedoch vieles erlebt und geschaffen – und das macht ihn durchaus real. Nach seiner Teilnahme an zahlreichen Ausstellungsprojekten in und außerhalb Hamburgs, entsandte ihn der Verein »Neue Kunst in Hamburg« 2007 im Rahmen des Reisestipendiums nach Rumänien. 2009 wurde er zum Interimsdirektor der isländischen Galerie kling&bang berufen. 2010 erhält Gernot Faber das Hamburger Arbeitsstipendium für bildende Kunst. Quasi nebenbei hat Gernot Faber zudem zu schreiben begonnen, in Kürze erscheint ein Schuber mit fünf Publikationen.

Mit Gernot Faber haben Reuss/Krüger eine kongeniale Möglichkeit gefunden, ästhetisch spannungsreiche Ausstellungssettings zu installieren und gleichzeitig auf konzeptioneller Ebene radikal nach den Bedingungen des »Kunst machens« und »Künstler seins« zu fragen. Vor dem Hintergrund von Ein- und Ausschlussmechanismen des institutionellen Kunstbetriebs untersuchen sie in ihren Inszenierungen authentisches Schöpfertum.

Sie erkunden, was künstlerische Autonomie überhaupt sein kann, wenn eine prekäre Künstlerpersönlichkeit mannigfaltigen, oft gegenläufigen Ansprüchen unterworfen ist. Als »humanoider Wolpertinger« ändert Gernot Faber nicht die Bedingungen, unter denen er arbeitet, sondern variiert seinen eigenen Zustand. In Abhängigkeit zum Dialog zwischen Sebastian Reuss und Lutz Krüger ist Gernot Faber mal jung, mal bereits gestorben, gradlinig und redselig oder verzwirbelt und verstockt, verwahrlost oder vollends bohèmistisch – jedoch immer ohne festen Wohnsitz.

Nach seinen Erfolgen als Künstler und Galerist zeigt die Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof Gernot Faber nun als Manager seiner eigenen Geschichte, die sich längst verselbstständigt hat: In London haben sich die »Dead Brains« gegründet - eine Rockband, die ihn kultisch verehrt. Die Ausstellung beginnt mit einem großflächig beworbenen Konzert der Londoner Band. Ihnen bleibt der große Ausstellungsraum als Bühne überlassen.

Aber wie geht es Gernot Faber dabei? Er haust in dem Bürotrakt des Kunstvereins, umgeben von Merchandising-Artikeln, schaut auf den von ihm entworfenen »Proberaum« und verwaltet sein eigenes Schicksal. In der Wahrnehmung der Ausstellung, zu der der abgedunkelte Bühnenraum ebenso gehört wie der Backstage-Bereich, vermischen sich unmittelbare Sinneseindrücke von der Rauminstallation mit Gerüchten und Reliquien.

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