Ausstellungen
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Insert - never the same colour

29. Oktober — 19. Dezember 2010


Ein Insert im Film ist eine kommentierende Texteinblendung, ein Zwischentitel oder ein einfügender Schnitt. Die Ausstellung von Heiko Karn, Katrin Mayer und Eske Schlüters begreift sich als verräumlichter Zwischentext - zwischen dem für das Projekt Channel TV kuratierten Fernsehprogramm und den Strukturen des Kunstvereins Harburger Bahnhof als Institution an einem Transitort. Als intervenierende Setzung untersucht sie das dem Fernsehen innewohnende Moment der Übertragung, den Transfer von Licht von einem Ort zum anderen sowie Fragen von An- und Abwesenheit.

Ein Ausgangspunkt in der Entwicklung des Fernsehens ist der alte Menschheitstraum, mit den Augen allein auf Reisen gehen zu können, d.h. ohne selbst an einem bestimmten Ort körperlich anwesend zu sein. Der Ingenieurstudent Paul Nipkow, der als Pionier des Fernsehens gilt, bemerkte 1883 bei der Betrachtung einer flackernden Kerze mit zusammengekniffenen Augen, dass nur noch Strahlen zu sehen waren, die sich in einzelne Punkte auflösten und letztlich wieder ein klar erkennbares, vollständiges Bild ergaben.
Daraus schloss er, dass Licht sich zerlegen und wieder zusammensetzen lässt. Er entdeckte das sogenannte Scanning - Prinzip der zeilenweisen Bildabtastung, indem er zwischen Lichtquelle und abzubildendes Objekt eine Scheibe mit spiralförmig angeordneten Löchern stellte. Diese grundsätzlichen technischen Strukturen von Wahrnehmung und Übermittlung wurden erst ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit Programminhalten gefüllt. Nach und nach entwickelte sich die heute selbstverständliche Penetranz des Fernsehens, durch welche die medialen Grundbedingungen der Apparatur in den Hintergrund verschwanden.

Der Zugriff der drei Künstlerinnen und Künstler, die bereits mehrere Projekte gemeinsam umgesetzt haben, ist gekennzeichnet durch eine ortsspezifische Herangehensweise, die die Gegebenheiten des Ausstellungsraums als Bedeutungsträger nutzt bzw. durch Hinzufügungen und Akzentuierungen in eine mit dem inhaltlichen Kontext korrespondierende Rauminstallation überführt.


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