Ausstellungen
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ARNE KLASKALA und LILY WITTENBURG
Lassen Sie sich nicht vom ersten Eindruck zum Narren gehalten
Gefangenes Zimmer III

28. Januar — 21. März 2011

Arne Klaskala und Lily Wittenburg vertreten unterschiedliche Positionen und Herangehensweisen, wobei sich der grafische Charakter vieler Arbeiten und die Vorliebe für die Farbe schwarz als verbindende Elemente erweisen.
Die Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof ist ihre erste gemeinsame Präsentation. Die Dynamik ihres Zusammentreffens lebt von Gegensätzen und Gemeinsamkeiten. Unter dem Einsatz verschiedener Medien entsteht ein ortsbezogener, künstlerischer Dialog. Aus dem Interesse an der Materialität von Oberflächen und architektonischen Formen wächst eine dichte Installation, die sich Themen wie Durchlässigkeiten und Grenzziehungen widmet und den Betrachter direkt miteinbezieht.
Er steht der Kunst nicht gegenüber, sondern sucht sich in dem Gefüge eigene Blickwinkel.
Inszeniert wird eine geradezu körperliche Erfahrung zwischen deutlichen Setzungen und zweifelnder Fragilität, die sich direkt an die Wahrnehmung unseres urbanen Alltags rückkoppeln lässt.

Arne Klaskala (*1968) arbeitet sowohl bildhauerisch, häufig in Form von vor Ort entstandenen, Raumbezogenen Installationen, als auch mit dem Medium der inszenierten Fotografie. In seinen Arbeiten spielt das Aufeinandertreffen von bekannten und unbekannten Versatzstücken eine große Rolle, die Farbe »hochglänzend tiefschwarz« fungiert dabei als verbindendes und wiederkehrendes Element.
Seinen Fotografien zeigen narrativ uneindeutige, spannungsreiche Kompositionen in dunklen Räumen. Ihre Szenerien sind in der Regel zunächst als Modelle gebaut und dann so aufgenommen, dass sie scheinbar vorhandenen Maßstäben entsprechen. Umgekehrt haftet seinen Objekten – überdimensionierte Zeichen, mal freistehend, mal aus dem Raum wachsend – etwas bühnenartiges an, sie scheinen den realen Raum in eine hundertfach vergrößerte, surreale Situation zu transformieren.

Die Formsprache der schwarz-weißen, seriellen Zeichnungen von Lily Wittenburg (*1984) nährt sich aus der Durchdringung verschachtelter Fragestellungen zum Verhältnis von kulturell konstruierten Räumen und imaginärer Architektur. Ihre zeichnerischen Untersuchungen und Entwürfe balancieren zwischen nüchterner Klarheit und schwebender Vorstellungswelt, räumliche Möglichkeiten werden aus wechselnden Perspektiven durchdekliniert und in Überlagerungen neu zusammengesetzt.
Die Schichtung führt zu überraschenden Verschiebungen, die nicht selten in einer Sprengung sämtlicher dreidimensionaler Parameter mündet. Für ihre Installationen nutzt sie Materialien mit einer besonderen Stofflichkeit, wie etwa Aramid-Waben aus dem Flugzeugbau, um die Behauptungen ihrer Zeichnungen im Realraum zu überprüfen.

Gefangenes Zimmer

Die Konzeption unserer im Mai 2010 begonnen Ausstellungsreihe »Gefangenes Zimmer« reagiert auf die Verortung des Kunstvereins als Raum im Bahnhof, als direkt über Gleis 3 & 4 gelegenes »Parallel-Universum« innerhalb der alltäglichen, geschäftigen Welt des Reise- und Pendelverkehrs, in dem sie das Verschachtelungsprinzip weiter zuspitzt: In den 300 qm großen Wartesaal wurde ein 24qm großer und 4 Meter hoher Kubus implantiert, der einen zusätzlichen Kontrast zu den vorhandenen Gegensätzlichkeiten bildet und räumliche Ein- und Ausschlussmechanismen thematisiert.

Die Bezeichnung »gefangenes Zimmer« steht auf dem Hamburger Wohnungsmarkt für einen Raum, der nur durch andere Räume betreten werden kann. Das heißt, der eingeschlossene Raum wird hier nicht isoliert gedacht, sondern durch den umgebenden Raum definiert. Jeweils zwei Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, die neue Situation für ihre Arbeit zu nutzen und unter Spannung zu setzen.

Bisherige Künstler der Reihe waren Philip Gaißer/Niklas Hausser und Till Megerle (Gefangenes Zimmer 1) sowie Stefan Panhans und Andrea Winkler (Gefangenes Zimmer 2). Den dritten und letzten Teil bestreiten Arne Klaskala und Lily Wittenburg.

Fotos: Michael Pfisterer

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