Ausstellungen
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STUART SHERMAN / BABETTE MANGOLTE
Spectacles

6. Juli — 18. August 2013

„I didn’t get whether it was a magic show or not?“ fragte ein Junge aus dem Publikum den Künstler Stuart Sherman nach der Performance seines „Third Spectacle“, das er 1975 an einer Straßenecke in Greenwich Village in New York aufgeführt hatte.
Seit den 1970er Jahren führte Stuart Sherman Performances – klein, obsessiv und eigenwillig – unter dem Titel „Spectacles“ auf: Wie ein Hütchenspieler platzierte er sich mit einem einfachen Campingtisch in New Yorker Straßen, Parks oder auf Theaterbühnen und arrangierte ein konstantes Set an Alltagsgegenständen zu immer neuen, unzähligen Kombinationen. Präzise und voller Ernst – jedoch nicht ohne Humor – folgte er einem vorher festgelegten Skript. Ähnlich einem Dominospiel führte seine Manipulation eines Objekts zwangsläufig zur Animation des nächsten. Die Verkettungen von Handlungen und Dingen in seinem performativen, aber auch in seinem filmischen Schaffen scheinen einer streng systematischen, geradezu syntaktischen Bild-Logik zu folgen, ohne dass diese für den Betrachter vorhersehbar wird: „A magic show, but magic without tricks.“ (Noel Carrol, 1978).

Stuart Sherman (1945-2001) war seit den 1970er und 80er Jahren Teil einer New Yorker Szene von Avantgardekünstlern, Theater- und Filmemachern. Mit Babette Mangolte, deren Rolle als Künstlerin und Bildproduzentin nicht von der als Chronistin des New Yorker Kunstgeschehens der Zeit zu trennen ist, verband ihn eine langjährige, freundschaftliche Beziehung. Durch ihren fotografischen Blick wirkt Mangolte bis heute aktiv an der Rezeption und Historisierung von Performances wie denen von u. a. Yvonne Rainer, Trisha Brown oder Robert Whitman mit. In der Ausstellung sind zahlreiche ihrer Fotografien zu sehen, die Stuart Sherman während der „Spectacles“ zeigen. Am 10. Juli wird außerdem ihr Film „The Camera: Je or La Camera: I“ präsentiert, in dem Sherman wiederum als Schauspieler agiert. Der Film lässt sich als grundsätzliche Reflexion über das Filmemachen und die Rolle der Kamera verstehen.

In einer archivähnlichen Präsentation konzentriert sich die Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof auf Shermans performative Arbeiten und deren fotografische Dokumentation im Werk von Babette Mangolte sowie auf seine Filme, die fast vollständig zur Sammlung des New Yorker MoMA gehören.

Fotos: Michael Pfisterer

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