Ausstellungen
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GALERIE BRD
"I'm not here to make friends"

25. November 2017 — 11. Februar 2018

Die in Hamburg gegründete „Galerie BRD“ ist ein Zusammenschluss von Künstler_innen, die seit 2013 regelmäßig mit thematischen Ausstellungsprojekten in Erscheinung treten. Wiederkehrende Themen sind das Verhältnis von Subjekt, Gesellschaft und Technologie, neokapitalistische Kreativitätsparadigmen und das Dogma permanenter Selbstoptimierung. Mit „I’m not here to make friends“ bringt die Galerie BRD im Kunstverein Harburger Bahnhof Videoarbeiten eingeladener Künstler_innen und Found-Footage-Material zusammen, um über die Funktion von Authentizitätskonzepten in postkapitalistischen Gesellschaftssystemen und das Prinzip der Nachahmung als affirmative wie subversive Praxis zu reflektieren.

Der Titel der Ausstellung „I’m not here to make friends“ ist Klischee gewordenes Mantra von Teilnehmer_innen unterschiedlichster Reality-TV-Formate: Postuliert in dramatisierten Momenten des Konflikts verdeutlicht es, dass man sich der Bedingungen seines Zusammenkommens bewusst ist, eine klares Ziel vor Augen hat und sich nicht verstellen muss, um dieses zu erreichen. Als Ausdruck eines Unbehagens an der Gruppe beschreibt es in Rückversicherung der eigenen Authentizität gleichzeitig Teilnahme und Abgrenzung von der Gemeinschaft. Es ist Fluchtbewegung, Bestätigung der eigenen Identität und Affirmation untragbarer Zustände in einem. Im Kunstverein Harburger Bahnhof transferiert die Galerie BRD diese Bedeutung auf die selbst längst hyperreal erscheinende Gegenwart postkapitalistischer Gesellschaften.

In Werbung und Medien produzierte Konzepte von ‚Reichtum‘, ‚Reise‘, ‚Abenteuer‘ und ‚Spaß‘ vermitteln Ideen von Luxus, Naturverbundenheit, Rausch oder kindlicher Unschuld: Ihr gemeinsamer Ansatz ist die Suggestion von Authentizität, Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Freiheit, die als begehrenswerte Güter erzeugt und als Produkte einer Erlebnisökonomie in die Wertschöpfungskette zurückgeführt werden. Eng verknüpft mit Lebensstilen und Identitäten sind es diese ewigen (Re-)Produktionen von Erfahrungen, die ein aktuelles Unbehagen ausmachen. Im Prozess zunehmender Ökonomisierung aller Lebensbereiche bieten die so erzeugten Sehnsuchtsorte keinen Ausweg und verwischen zunehmend die Grenzen zwischen einem ‚authentischen‘ Selbst und seinen medialen Simulakren.

Mit den im Kunstverein Harburger Bahnhof versammelten Videoarbeiten von FORT, Philip Gaißer & Niklas Hausser, Dorit Margreiter, Stefan Panhans, Nicolaas Schmidt und Pilvi Takala sowie zusammengetragenem Found-Footage-Material befragt die Galerie BRD diese Logiken von Imitation, Simulation, Affirmation und Wiederholung als Strukturprinzipien kapitalistischer Verwertungssysteme, aber auch als Werkzeuge der Subversion und des Widerstands aus dem Inneren des Systems heraus.