Ausstellungen
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EVA CASTRINGIUS, JOKE JANSSEN, ANNA TAUTFEST
Kollektive Forschungsmasse

21. Oktober — 12. November 2017

In der Ausstellung von Eva Castringius, Joke Janssen und ANna Tautfest werden Möglichkeiten untersucht, Körper, Landschaften und Wissensformationen als unbeständig zu erfassen. Die drei Künstler_innen beschäftigen sich in ihrer künstlerischen Forschung mit Spuren und Materialitäten, deren diskursiven Normierungen und Kartierungen. Diesen begegnen sie mit einem strategischen Changieren zwischen Verfestigung und Fluide-Werden.
 


Eva Castringius' künstlerisches Forschungsprojekt beschäftigt sich anhand der Trinity Test Site (New Mexico, USA) mit der Abbildbarkeit von Radioaktivität, ihrer räumlichen Organisation und kulturellen Konstruktion. In einer materiellen und filmischen Suchbewegung erfasst sie die kontaminierte Landschaft des atomaren Versuchsgeländes sowie ihre zirkulierenden Abbilder und Erscheinungsformen als vitales Gefüge. Der Ausgangspunkt für Eva Castringius' Arbeiten ist fotografisches Dokumentationsmaterial der Bombenexplosion von 1945, in das sich Spuren der atomaren Zerstörung indexikalisch eingeschrieben haben.

Joke Janssen befasst sich in skulpturalen und performativen Material- und Bewegungsstudien mit Konzeptionen von trans*. Er_ hinterfragt kategoriale Zuschreibungen und sucht Möglichkeiten unbeständiger Darstellungsweisen von Körpern, Identitäten und Positionierungen in einem Zustand kollektiver Fluktuation. In seriellen Experimenten mit Pech erforscht er_ die Beziehungen zwischen Körpern und ihrer Umgebung. Auf den ersten Blick oft nicht wahrnehmbare Transformationsprozesse des Materials stellen dem Wissen über die Subjekte, das sich in identitären Zuschreibungen lokalisiert, ein Recht auf Opazität entgegen.


ANna Tautfest erforscht in ihrer künstlerischen Arbeit das Medium Fotografie und die Möglichkeit, mittels ihrer Indexikalität Welten zu imaginieren und zu behaupten. In ihren Rasterbildern thematisiert sie wechselseitige Prozesse des Erfassens und Normierens von Materie. Sie beschichtet großformatig Trägerstoffe mit fotochemikalischer Emulsion, die in der Dunkelkammer zu reliefartigen Kompositionen geformt und belichtet werden. Im Versuch, den Träger der Fotografie und den abzubildenden Körper aneinander anzuschmiegen, wird der Widerstand als Störung im Material und als Unregelmäßigkeit der Belichtung sichtbar. In ihren Videoskizzen führt ANna Tautfest die Auseinandersetzung mit Abbildbarkeit und ihren Grenzen performativ weiter: Trägermaterialien und Ordnungssysteme werden in den gezeigten Ver/Handlungen verformt und eine Irritation der optischen Wahrnehmung erzeugt.

Im Kern der Ausstellung steht die Frage nach Narrationen, die dominante Lesarten als diskursive Konstrukte erkennbar, veränderlich und verformbar machen. Körper, Landschaften, Objekte und fotografische Dokumentationen sind Teil von komplexen Zusammenhängen gegenseitiger Einwirkungen. Die beteiligten Künstler_innen, die an der HFBK Hamburg im Graduiertenkolleg „Ästhetiken des Virtuellen“ promovieren, nähern sich Möglichkeitsräumen an, die sich in zeitlichen und räumlichen Vernetzungen und Bewegungen öffnen. In den künstlerischen Forschungsprojekten von Eva Castringius, Joke Janssen und ANna Tautfest zeigen sich Vibrationen von Abbildern, Objekten, Identitäten oder Körpern, die die Annahme von abgeschlossenen Entitäten in Frage stellen.
 



Beteiligte Künstler_innen
Die Zusammenarbeit von Eva Castringius, Joke Janssen und ANna Tautfest hat sich innerhalb des Graduiertenkollegs »Ästhetiken des Virtuellen« (HFBK Hamburg) entwickelt. Ihre jeweiligen Arbeiten basieren auf der engen Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst, in denen Virtualität mit Material eng-gelesen wird und sich in Brechungen, viskoser Langsamkeit oder verschmelzender Körnung aktualisiert.
Eva Castringius befasst sich mit anthropogenen Landschaften, die sie im Zusammenspiel von Fotografie, Video und Installation untersucht. Hierbei sind aktuelle Theorien zum Thema Umwelt und Ökologie von Bedeutung sowie der reflexive Umgang mit der Rezeption des Ortes als kulturelles Konstrukt.
Joke Janssen thematisiert Aus- und Einwirkungen von Normen und Kategorisierungen auf Subjekte und Körper. Ihm_ ist daran gelegen, Dichotomien kurzzuschließen und verunklarende Situationen zu erzeugen, die ein Mehr an Vorstellung ermöglichen.
ANna Tautfest beschäftigt sich mit Bedingtheiten von Körpern, Identitäten und Blickregimes mit Fokus auf ihre Konstruiertheit. Die Fotografie als rahmende Perspektive nimmt dabei queer-feministische und de-hierarchisierende Standpunkte ein.

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