Ausstellungen
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HANNAH WEINBERGER
As if I became upside down, right side up

18. April — 26. Juli 2015

Hannah Weinberger verwandelt sechs Schweizer Felsbrocken in klingende Resonanzkörper: Innen hohl, mit Magneten versehen und durch Schall aktiviert werden sie zum Instrument. Ausgangspunkt für die von den Steinen gespielte Komposition sind Tonaufnahmen aus Weinbergers persönlichem Umfeld – wie klirrende Gläser oder Tierstimmen – außerdem vorgefertigte digitale Klangschnipsel, wie Cartoon- und Natur-Geräusche, kurze Melodien oder das Spiel eines Musikinstruments. Ein Teil von Weinbergers Klang-Konfiguration geht demnach auf Töne zurück, die von Musik-Programmen als Standard zur Verfügung gestellt werden, um beispielsweise Filme zu vertonen. Hier zählt weniger die Raffinesse als Wiedererkennbarkeit und Vertrautheit.

Für jeden der Steine hat Weinberger eine individuelle Klangabfolge entwickelt. Im Zusammenspiel ergibt sich vor Ort eine 60-minütige Komposition, die an Ambient-Musik im konventionellen 4/4-Takt erinnert. Es handelt sich um einen musikalischen Standard, den wir aus Werbung, Wartezonen, Transiträumen, Event- oder Wellnesskontexten kennen – Klänge, die künstlich und unpersönlich scheinen, dennoch inzwischen omnipräsent und vertraut sind. Persönliche akustische Erinnerungen werden zu Allgemeinplätzen verarbeitet. Umgekehrt prägen digitale, vorinstallierte Klänge auf Telefonen oder Computern unser akustisches ‚mindset’ so wesentlich, dass sie zu etwas Persönlichem werden.
Hannah Weinberger arbeitet mit Performance, Video, Installation und insbesondere Klang - nicht selten auch jenseits klassischer Ausstellungsformate. Häufig kollaboriert sie mit befreundeten KünstlerInnen, aktiviert TeilnehmerInnen bei performativen Workshops und bezieht die BesucherInnen der Ausstellung ein. Open-Source-Programme dienen ihr dabei als technische Voraussetzung für ihre Sound- oder Video-Installationen, die wesentlich auf vorgefertigtem und digital verfügbarem Material basieren.

Weinberger (*1988, CH/US) studierte an der Schule für Gestaltung in Basel und Hochschule der Künste in Zürich, wo sie ihren Master of Fine Arts machte. Neben ersten internationalen Einzelausstellungen u.a. in der Kunsthalle Basel (2012), KUB Arena in Bregenz (2014), MIT in Cambridge, Massachusetts (2015) und Beteiligungen an Gruppenausstellungen wie der 12. Biennale in Lyon (2013), co-leitete sie den Projektraum Elaine im Museum für Gegenwartskunst in Basel und ist Vorstandsmitglied der Kunsthalle Basel. Im Kunstverein Harburger Bahnhof zeigt sie nun ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland.

Zur Ausstellung erscheint eine Audio-Publikation in Form einer Schallplatte, die den Klang jedes einzelnen Steins sowie deren Zusammenspiel vor Ort dokumentiert. Auch ortsspezifische Geräusche des Kunstvereins Harburger Bahnhof sind zu hören. Es handelt sich um eine von vier LPs, die der Kv.H.Bf. in Kooperation mit Volker Zanders Label Apparent Extent für Künstlerschallplatten herausgibt. Die LP erscheint Anfang 2016.


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