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IN%20THE%20HEAT%20OF%20THE%20NIGHT

In the heat of the night

Samstag, 8. November 2014

In der Nacht verändert sich die Wahrnehmung. Vertraute Konturen, bekannte Grenzen werden obsolet. Innen- und Außen scheinen zu verschwimmen. Raum und Zeit rücken näher und verdichten sich. In der Nacht erweitert sich die Wahrnehmung, gibt Schlupflöcher für allerlei übersinnliche Gestalten frei, gleichermaßen löst sie sich von den Zwängen logischer Schlüsse.

Die Nacht vergegenwärtigt sowohl das bedrohliche und unheimliche, als auch jenes schöpferische Potenzial, das sie im Rahmen der Genesis-Geschichte gleichnishaft versinnbildlichen soll. Schließlich, so steht es dort geschrieben, schuf Gott das Licht aus der Finsternis, und sah, dass es gut war. Und auch Hesiod entsandte in seiner Theogonie die bedrohliche Figur der Nyx, um aus formloser Finsternis die Gestalten der Welt zu erschaffen. Siegmund Freud war es schließlich, der das Unbewusste in den kosmogonischen Diskurs einbrachte: jene Bereiche der menschlichen Psyche, die das Tagesgeschehen im Unbewussten sedimentieren, würden im Traum wiederhergestellt und benannt.

Auch das Durchstreifen der Nacht wird zu einem Prozess der Aneignung des Fremden und der Loslösung von Vertrautem, schließlich vom Subjekt selbst – der Nachtschwärmer sehnt sich nach Selbstentäußerung, um das Gefühl völliger Freiheit fernab raumzeitlicher Strukturen zu begreifen. Im Rausch wird er selbst zur finsteren Leere, zur Nacht aus der jene Gestalten und Universen geschaffen werden, die das zukünftige Subjekt bestimmen. Das Ende einer ereignisreichen, durchschwärmten Nacht wirkt daher nicht selten wie das Erwachen aus einem Traum, wohlgenährt mit vagen Erinnerungen, die als seltsam Vertrautes den Stoff der kommenden Nächte liefern.

Am 8. November zeigt der Kunstverein Harburger Bahnhof von 12-20 Uhr das Videoprogramm „In the Heat of the Night“ mit Arbeiten von Keren Cytter, Maya Deren, Johanna Domke, Annika Kahrs, Melanie Manchot, Vanessa Nica Mueller, Stella Rossié & Nicola Gördes, Yorgos Sapountzis, Jeremy Shaw, Stacey Steers, Rebecca Ann Tess, Jaan Toomik, Tobias Zielony. Eine Auswahl des Programms wird für vier Wochen online bei blinkvideo.de zu sehen sein. Blinkvideo ist eine Online-Plattform für die Recherche von Video, Film und Performance Arbeiten.