Veranstaltungen
Historischer-Wartesaal-der-1.-Klasse-im-Harburger-Bahnhof.jpg

HEINO JAEGER
Harburger Kulturtag

Samstag, 7. November 2015

Er habe des Öfteren mit ihm im Wartesaal 1. Klasse Eisbein gegessen, sagt Oskar Pintschovius („Man glaubt es nicht“ rororo Taschenbuch 2007) über seinen Freund Heino Jaeger (1938 – 1997), den Maler, Graphiker und Satiriker, der einer der bedeutendsten Söhne Harburgs war. 

Am Ort dieses Genusses im Harburger Bahnhof lassen Manfred Brinkmann und Lutz Hoffmann das Leben Heino Jaegers Revue passieren und lesen aus seinen Texten. Dazu werden einige seiner Zeichnungen und Bilder gezeigt.

HEINO JAEGER (1938 – 1997)

Heino Jaeger, 1938 in Harburg geboren, ist, was sein Wortwerk betrifft, so etwas wie ein Genie der Realsatire, ein Vorfahre und früher Verwandter von Vielen, von Olli Dietrich genauso wie von Hape Kerkeling, von Otto Waalkes wie von Loriot. Mit letzterem, der sich auf ihn berief, verband ihn auch noch etwas anderes, sein zeichnerisches Talent. Beide hatten die HfBK besucht und vom gleichen Lehrer (Alfred Mahlau) gelernt. Während der eine zunächst Cartoonist wurde, zeichnete der andere Scherben, die die Archäologen des Helms Museums zu Tage förderten. 
War Heino Jaeger mit seinem Freund und Kollegen, einem Völkerkundler unterwegs, spann er die Interviews fort, die dieser mit Warzenbesprecherinnen und weisen Heideschäfern geführt hatte. Oder er sammelte und vervollständigte Dialoge, die er in Kneipen und Cafés der Harburger Innenstadt hörte. So entstanden die ersten Texte, die ersten Sketche. Heino Jaeger übernahm alle Rollen und sprach alle Dialekte. 
Er schien versessen zu sein auf die Eigenheiten der Menschen und das Absurde, das er überall im Alltag zu entdecken glaubte. Wenn er diesen nachspielte, was er – und da machte er es bisweilen dem Zuhörer schwer – stundenlang aus dem Stegreif konnte, übertrieb er zwar, aber es dauerte meist einen Moment bis das Publikum begriff. Dann war es zum Lachen zu spät. Heino Jaeger hatte Zeit seines Lebens auf kleinen Bühnen, und in den Nischen einiger Rundfunksender einen eher bescheidenen Erfolg. Was für sein ebenfalls hoch skurriles zeichnerisches Werk auch galt. 
Aber heute, knapp 20 Jahre nach seinem Tod, steigt die Zahl seiner Sammler. Ein Film („look bevore you kuck“ von 2012) würdigt sein Lebenswerk. Wir verstehen ihn schneller und bemerken wie viel von dem, was wir komisch finden, mit ihm zu tun hat. „Ein Mozart der Komik“ sei er gewesen, schrieb mal einer über ihn und beinahe hätte er mit dem Geniekomponisten noch etwas gemeinsam gehabt, ein Armengrab, wenn nicht im letzten Moment … aber das ist eine Geschichte, die wir Ihnen lieber erzählen. 



Text: Lutz Hoffmann