Veranstaltungen
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Track_2
Geteilte Perspektiven, 
entangled histories und Relativierungen des Westens

1. April, 13:00 Uhr — 1. April 2017, 19:00 Uhr

Die Reihe „Track Academy“ umfasst ein diskursives Programm mit Formaten aus Wissenschaft, Kunst und Vermittlung. Durch eine zeitliche und räumliche Verdichtung von Veranstaltungen werden kommunikative Situationen angeboten, die Aneignungen von Handlungsräumen sowie die Aktivierung von spezifischem Wissen ermöglichen. Die Themen der „Track Academy“ leiten sich aus den Ausstellungsprojekten des Kunstvereins und adressieren Herausforderungen unserer Gegenwart von Digitalisierung und Vernetzung über Urbanität und Stadtentwicklung bis zu Migration und Diversität.

Track_2 Geteilte Perspektiven, 
entangled histories und Relativierungen des Westens

Die Idee eines historisch und kulturell begründeten Selbstverständnisses westlicher Mehrheitsgesellschaften wird abgelöst von pluralen, multiperspektivischen Auffassungen und Erwartungen an ein Leben in Europa. Track_2 richtet den Blick auf Formen von Austausch, Transfer und medialen Übersetzungen von singulären Geschichten und Biografien. Welche Gefahren, Herausforderungen und Chancen artikulieren sich in alternativen und widerständigen Perspektiven auf Europa und in welchen Medien, Räumen und Formaten können sie öffentlich werden? Welche Konzepte von Öffentlichkeit und kultureller Norm stehen zur Diskussion?


13 Uhr  
Concerning Violence
Screening von Göran Olssons Dokumentarfilm (2014) nach einer Textvorlage von Frantz Fanon, kommentiert von Tania Mancheno (Politikwissenschaftlerin, Hamburg)

Der Film „Concerning Violence“ (2014) des schwedischen Regisseurs Göran Olsson ist die erste Verfilmung von Frantz Fanons kontroversem Buch „Die Verdammten dieser Erde“ (im Original erschienen 1961).
In diesem kommentierten Screening wird die Politikwissenschaftlerin Tania Mancheno vor und nach dem Film intervenieren, um über die Übersetzung von Fanons Text in den zeitgenössischen Film von Olsson zu diskutieren. Im Fokus stehen dabei die Kontextualisierung der beiden künstlerischen Formen – Text und Film - und die unausweichliche Wandlung, welche die geschriebene Sprache im Film erfährt.

Tania Mancheno beschäftigt sich seit 2010 mit Fanons Denken. Als Referentin für die Rosa-Luxemburg-Stiftung gibt sie regelmäßig Workshops und Seminare über Fanon. In ihrer Promotion über die vergessene Geschichte des Multikulturalismus, die Mancheno bei Prof. Dr. Zimmerer an der Universität Hamburg schreibt, bildet Fanons Denken den methodologischen Zugang für eine dekoloniale Lektüre des Multikulturalismus.


15 – 18 Uhr
Words become Actions
Präsentationen und Aktionen im Kunstverein und im öffentlichen Raum mit Salah Zater (Journalist und Aktivist, Hamburg) und Workshopteilnehmer_innen

Im März fand im Kunstverein Harburger Bahnhof der Workshop "Speak Loud" mit Salah Zater statt, der sich an Menschen wandte, die erst seit kurzem in Hamburg leben, um gemeinsam Worte und Wege zu finden, vielfältige Perspektiven in der Gemeinschaft, der Gesellschaft und der Politik zu kommunizieren.
Ausgehend von Geschichten und Erfahrungen wurden im Workshop Beobachtungen und Themen formuliert sowie den sich daraus ergebenden Fragen und Vorschlägen eine Stimme verliehen. In enger Verschränkung von Aktivismus, Schreibpraktiken und öffentlichen Handlungen zielte der Workshop darauf, Räume zu ermöglichen, in denen Öffentlichkeit beansprucht und alternatives Wissen hörbar wird.

Salah Zater ist ein TV-Journalist aus Libyen, der seit 2015 in Hamburg lebt und sich für Flüchtlingsthemen, gegen Rassismus und Islamophobie und für Rede-, bzw. Ausdrucksfreiheit engagiert.


16 Uhr
Exercises On Decolonial Archives; Forming Collective Memories
Squat Monument (Nathalie Anguezomo Mba Bikoro und Anaïs Héraud-Louisadat) mit Suza Husse (District, Berlin) im Gespräch über das Projekt „Trümmerberg Kilimanjaro. Artistic Reconsiderations on Decolonizing Archives“ in Tempelhof-Schöneberg, Berlin.*

Squat Monument ist ein künstlerisches Forschungsprojekt von Nathalie Anguezomo Mba Bikoro und Anaïs Héraud-Louisadat, das seit 2015 Geschichte(n) durch alternative Perspektiven und unerzählte Narrative aktiviert. Mit poetischen Gesten „besetzt es Denkmäler“ und fordert Raum ein für neue Formen kollektiver Erinnerungskulturen. Das Projekt „Trümmerberg Kilimanjaro“ versammelte urbane Spuren des deutschen Kolonialismus und seiner kulturellen und ökonomischen Ausdrucksformen sowie Migrationszusammenhänge im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg zu einem performativen Archiv.
Im Gespräch mit Suza Husse, der künstlerischen Leiterin von District Berlin, einem interdisziplinären Denk- und Arbeitsraum im Schnittfeld von bildender Kunst und anderen Arten der Wissensproduktion, geht es um Rückaneignungen von Wissen, aber auch um die Handlungsräume, die in der Zusammenarbeit beiderseits eingenommen werden können.


17:30 Uhr
Denken was Tomorrow
Lecture-Performance von Dan Thy Nguyen (Künstler, Regisseur und Performer, Hamburg)

Ende der 1970erJahre kommen die ersten Geflüchteten aus Vietnam in die Bundesrepublik. In der Hoffnung gerettet zu werden, trieben sie als Boat People auf dem Meer. Die Familie von Dan Thy Nguyen gehört ebenfalls zu diesen Menschen. 35 Jahre später treiben Geflüchtete auf Booten im Mittelmeer und eine ganze Gesellschaft scheint in dieser Situation hilflos zu sein.
In der Sprechperformance „Denken was Tomorrow“ setzt sich Dan Thy Nguyen mit der persönlichen Geschichte seiner Eltern, ihren Kriegserfahrungen und ihrer Flucht, aber auch mit der ersten Zeit und dem Aufbau eines Lebens in Deutschland sowie erlebtem Rassismus auseinander.

Dan Thy Nguyen, der bewusst im freien Theaterbetrieb arbeitet, beschäftigt sich in seinen Produktionen und Performances mit Erinnerung, persönlichen Geschichten und ihrem öffentlich Werden. Welches Potential für Gegenwart und Zukunft, welches Wissen bergen sie?


18 Uhr

Archives, memories and blind spots
Medien und Formate der Präsentation und Vermittlung alternativer Geschichte(n) und Perspektiven,
Gespräch mit Tania Mancheno, Dan Thy Nguyen und Salah Zater *

Welche beabsichtigten, aber auch welche unbeabsichtigten Wirkungen bringen verschiedene mediale und vermittelnde Formate mit sich? Welche Festschreibungen alternativer Geschichte(n) entstehen und welche Perspektiven verbleiben in den Übersetzungen und Übertragungen unsichtbar und unhörbar? Tania Mancheno, Dan Thy Nguyen und Salah Zater sind sowohl aktivistisch als auch künstlerisch oder theoretisch vermittelnd tätig und reflektieren im Gespräch die blinden Flecken von multiperspektivischer Öffentlichkeit.


* in englischer Sprache