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CHRISTIAN JENDREIKO
Trockene Kunst (Harburger Fassung)

Sonntag, 28. Februar 2016, 13:00 Uhr





Christian Jendreiko (geboren 1969 in Recklinghausen) beschäftigt sich mit dem Entwurf von Instrumentalaktionen in Form von Verbalnotationen und wird von Museen, Galerien und Kunst- und Kultur-Institutionen in der ganzen Welt eingeladen, um diese Texte als Aktionen zu verwirklichen. Im Kontext dieser Arbeiten entstehen außerdem Zeichnungen, Collagen und Installationen. Jendreikos Aktionstexte sind fiktionale Theorien des Handelns, die ihre eigene Realität in Form von Aktionen produzieren; seine Methodik, mit diesen Texten Settings zu erfinden, in denen Denk- und Handlungsoptionen in Erscheinung treten, die vorher nicht vorstellbar gewesen wären, kann als eigenwilliger Beitrag zu den methodischen Ansätzen des Spekulativen Realismus gelesen werden.
2003 wurde eine Reihe von Jendreikos Arbeiten in die Sammlung des Musée d’Art Moderne, Centre Pompidou, Paris aufgenommen. Jendreiko arbeitet gerne kollaborativ an einem „post-partikularen Kunstbegriff“: seit 30 Jahren mit Stefan Werni als Duo Werni & Jendreiko, seit 1998 als Mitglied der Düsseldorf-Londoner Künstlergruppe hobbypopMUSEUM, seit 2012 als Mitglied der Künstlergruppe BEASTER. Jendreiko war Gastprofessor an der Akademie der bildenden Künste, Nürnberg und unterrichtet an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf, wo er auch lebt und arbeitet.
Michael Hirsch über Christian Jendreiko: „Christian Jendreikos Aktionen sind Modelle in einem starken Sinne. Sie sind Übungssysteme, konkrete Utopien einer sozialinnovativen, gemeinschaftlichen Lebenspraxis. In ihrem Rahmen geht es darum, hier und jetzt schon mit Vorübungen für ein anderes Leben zu beginnen. Es geht darum, jetzt schon so zu sprechen, zu denken, miteinander zu handeln und zu spielen, als ob wir bereits in einer befreiten Gesellschaft lebten; befreit, erlöst von den Zurichtungen, Rollen- und Identitätszwängen der bürgerlichen Gesellschaft. Es sind Praktiken nicht eines herausragenden (Künstler-)Subjekts, sondern einer Menge, einer kollektiven Intelligenz, eines General Intellect im Sinne von Marx. Das, was in den unterschiedlichen Formen der historischen Avantgarden immer gemeint war, der Übergang der Kunst in ‚das Leben’ und in ‚den ‚Alltag’ – das ist in solchen Aktionen anvisiert oder angedeutet. Es wird ein Kommunismus des Geistes geübt oder eingeübt. Die Modalität seiner Handlungen ist präfigurativ; seine soziale Form nicht die des unabhängigen, autarken Subjekts (und seines Spiegelbilds, des autonomen Kunstwerks), sondern die einer kommende Gemeinschaft singulärer Einzelner, die miteinander neue Formen des Mitseins erproben.“ (Michael Hirsch „Worum es geht – Über Aktionen und Modelle der Kunst: des richtigen Lebens im falschen“, in: Christian Jendreiko, 12 KOSMISCHE BEISPIELE, Köln, 2016, Seite 9)


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Fotos: Jens Franke