Kunstverein

Team

Künstlerische Leitung 
Lisa Britzger (in Elternzeit), Annette Hans & Jennifer Smailes 

Praktikum
Stella von Rohden

Projektkoordination Track Academy
Annette Hans


Agenda

Der Kunstverein Harburger Bahnhof versteht sich als Bühne für die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen aktuellen künstlerischen Schaffens. Er ergänzt die Programme von Museen und Galerien, die ihre jeweils spezifischen Aufträge haben und individuelle Aufgaben wahrnehmen. Die von diesen Institutionen repräsentierten Tendenzen des nationalen und internationalen Kunstgeschehens und des Kunstmarktes werden durch den Kunstverein Harburger Bahnhof komplettiert.

Der Kunstverein Harburger Bahnhof verfolgt ein eigenständiges Veranstaltungskonzept, das bewusst die experimentelle Kunst des 21. Jahrhunderts in das Zentrum seiner Aktivitäten rückt. Er will damit Kunstinteressierten die Möglichkeit bieten, ein künstlerisches Programm zu erleben, dessen Kontinuität aus Innovation besteht. Er eröffnet Künstlerinnen und Künstlern die Chance, jenseits des etablierten Kunstbetriebs neue Inhalte und Formen zu erforschen und einem breiten Publikum darzustellen.
Alte Antworten reichen am Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr aus. Die Erfolgsinstitutionen der Industriegesellschaft sind ins Wanken geraten. Die Menschen sind verunsichert und spüren, dass tradierte Formeln keine Ordnung mehr schaffen. Das Gleichgewicht zwischen individueller Freiheit und sozialer Sicherheit ist offenkundig nicht gewahrt. Es gibt keinen gültigen ethischen Konsens und es fehlt eine kulturell tragfähige, zukunftsorientierte gesellschaftliche Basis.

In einer solchen Situation ist die richtige Antwort nicht die Herstellung einer formierten Gesellschaft, sondern das Erzeugen einer Atmosphäre der Offenheit. Wichtig sind dann Räume für wachsame Reflektionen und Menschen, die nicht die Wirkungslosigkeit alter Regeln beklagen, sondern neue Visionen mitgestalten. Der Kunstverein Harburger Bahnhof ist so ein Ort der Innovation, neue Wege zu neuen Zielen zu beschreiten. Es geht nicht um die Bestätigung für Vergangenes, sondern um einen zeitgemäßen Rahmen für Identität und den Konsens kultureller Ziele. Die Kreativität der Künstler eröffnet gleichzeitig Chancen zur Relativierung und Erneuerung.

Kunst, die anstößt, erschließt Perspektiven. Deshalb ist der Kunstverein Harburger Bahnhof eine unverzichtbare Adresse für wachsame Geister. Künstlerinnen und Künstler machen mit ihrem Engagement Mut zum Wandel. Sie stehen persönlich und mit ihren Kunstwerken exemplarisch für Internationalität und Intermedialität. Sie stammen aus verschiedenen Ländern, haben in vielen Teilen der Welt gearbeitet und gelebt, sie gestalten, malen und zeichnen, fotografieren, filmen und benutzen modernste digitale Medien für ihre Produktion. Sie verbinden Musik, Tanz, Theater und bildende Kunst in Crossover-Projekten. Sie sind auf dem Weg in die Zukunft.

Der Kunstverein Harburger Bahnhof arbeitet mit allen gesellschaftlichen Kräften zusammen, die sich diesen Gedanken und Zielen verpflichtet fühlen. Er setzt dabei auf die Kooperation innovativer Unternehmen und Persönlichkeiten, die die Arbeit des Kunstvereins Harburger Bahnhof durch geeignete Beiträge fördern.

Vom Vorstand beschlossene Fassung,
Hamburg, 1. November 2005 


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17 Jahre Kunstverein

Der Kunstverein Harburger Bahnhof, gegründet 1999 von den ortsansässigen Künstlern Udo Dettmann und René Havekost mit großzügiger Unterstützung von Dr. Dieter Bobbert und Dr. Martin Kippenberger, befindet sich direkt im Bahnhof Hamburg-Harburg über Gleis 3 & 4. In den eindrucksvollen Räumlichkeiten des ehemaligen Wartesaals 1. Klasse mit historischer Kassettendecke werden auf ca. 300 qm regelmäßig Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt.

Nach einem anfänglichen Schwerpunkt auf „Malerei" – hierfür steht u.a. die große Franz Gertsch-Ausstellung im Jahr 2000 – entwickelte sich das Programm unter seinen unterschiedlichen KuratorInnen Wilhelm Figger, Nina Möntmann, Mathias Güntner und Ulla Lohmann zunehmend dahin, Entwicklungen der Gegenwartskunst auch medienübergreifend darzustellen und themenbezogen Fragestellungen der künstlerischen Produktion zu vermitteln. Davon zeugen beispielsweise Gruppenausstellungen wie „Eigene Systeme" (2002), „Plattform Taubenstrasse" (2003) „Selbstporträt/Identität" (2004) oder „Pflanzendialoge" (2006).

Im Januar 2007 veranlasste Tim Voss als neuer künstlerischer Leiter seit 2008 gemeinsam mit Britta Peters, abermals eine Verschiebung der Ausstellungspraxis: Im Mittelpunkt des durch ihn initiierten und über zwei Jahre angelegten Ausstellungszyklus „Reihe:Ordnung" stand der Versuch, den Zugriff zeitgenössischer KünstlerInnen und –gruppen auf gesellschaftliche relevante Themen, wie Arbeit, Liebe, Geld, Sex, Macht, Freiheit und Zukunft, so die Untertitel der insgesamt sieben realisierten Ausstellungen, nicht durch eine Zusammenstellung von bestehenden Werken zu repräsentieren, sondern anhand von komplexen Installationen unmittelbar erfahrbar zu machen.

Unter der Leitung von Britta Peters und Marie Luise Birkholz, in Zusammenarbeit mit Anna Goetz im Jahr 2010 lag der Schwerpunkt auf einer Erweiterung und Kontextualisierung der Ausstellungsebene durch die im MAGAZIN bereitgehaltenen Bücher, Bilder, Texte und Informationen. Gleichzeitig fand durch die Herausgabe eigener Publikationen mit den ausstellenden KünstlerInnen eine mehrfache Rückkopplung statt: Die durch den Kunstverein aufgelegten Künstlerbücher gingen in die eigene Sammlung ein und bleiben dort lebendig, genauso wie sich mit ihnen die in der Ausstellung begonnenen Auseinandersetzung mit der vorgestellten künstlerischen Position an einem anderen Ort fortsetzen lässt.

Von 2011 bis 2013 stand der Kunstverein unter der kuratorischen Leitung von Isabelle Busch und Franziska Solte, die sich verstärkt einem internationalen Programm widmeten. Dies spiegelte sich unter anderem in ihrer Antrittsausstellung „Is This Where It Ends?“ mit Sunah Choi und Haroon Mirza wider. Die Anbindung an lokale Künstler ging dabei jedoch nicht verloren: In der Ausstellungsreihe „Am Piano“ (2012) wurden junge Hamburger Künstler eingeladen in den Räumlichkeiten des Harburger Kunstvereins Kabinettausstellungen zu entwickeln. Begleitend zu jeder Ausstellung fanden Filmabende in dem von Jesko Fezer gestalteten Kino statt.

Anna Sabrina Schmid war von 2014-2016 für das Programm des Kunstvereins verantwortlich. Aus einer intensiven Zusammenarbeit mit internationalen KünstlerInnen entstanden unter ihrer Leitung raumgreifende Einzelausstellungen und Neuproduktionen mit konzeptionellen, raumbezogenen und performative Ansätzen, die insbesondere auch auditive Elemente integrieren. Daher wurde zu den Ausstellungen mit Kasia Fudakowski, Daniel Laufer, Hannah Weinberger oder Ruth Buchanan an Stelle eines Katalogs eine Schallplatte produziert und auf dem Kölner Label Apparent Extent herausgegeben. Parallel zu den Ausstellungspräsentationen entstand ein temporärer Raum für historische und aktuelle Tonveröffentlichungen, eine Phonothek und Materialsammlung mit dem Titel "Recordings", die gemeinsam mit dem Kulturanthropologen und Musik-Kurator Nguyen Phuong-Dan entwickelt und realisiert wurde. Wortbeiträge und das Live-Programm "Music From High Wires“, in Kooperation mit Kampnagel Hamburg, ergänzten die Phonotek. Der Kunstverein Harburger Bahnhof wurde von Anna Sabrina Schmid nicht nur als Ausstellungsraum und Bühne verstanden, sondern auch als Proberaum und Produktionsraum. Der Kunstverein wurde unter ihrer Leitung mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine 2016 ausgezeichnet.

Das Programm von Lisa Britzger und Jennifer Smailes, die seit März 2016 den Kunstverein leiten, geht aus vom Kunstverein als Raum, der als Teil des Systems der Kunst in verschiedene gesellschaftliche Strukturen eingebunden ist. Mit den Mitteln der Kunst werden Gebrauch, Nutzen und gesellschaftliche Effekte künstlerischer Praktiken für Politik, Wissenschaft oder Wirtschaft erprobt. Drängende Themen unserer Gegenwart wie Migration, Stadtplanung und die Frage nach zukünftigem Zusammenleben sowie alltägliche wie unsichtbare Globalisierungseffekte und ihre Folgen werden in Projekten untersucht, die kollaborative, unternehmerische, gestalterische und kommunikative Ansätze künstlerisch integrieren und als Fragen zurück in den gesellschaftlichen Raum reflektieren.


Künstlerische Leitung 2014-2016
Anna Sabrina Schmid

Künstlerische Leitung 2011-2013
Isabelle Busch, Franziska Solte

Künstlerische Leitung 2010-März 2011
Britta Peters, Marie Luise Birkholz

Künstlerische Leitung 2007-2009
Britta Peters, Tim Voss

Team 2008
Tim Voss, Britta Peters, Marie Luise Birkholz

Team 2006-2007
Veit Rogge, Tim Voss, Susanne Schröder