Ausstellungen
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ANNIKA LARSSON
The Discourse of the Drinkers

6. Juli — 1. September 2019

Für "The Discourse of the Drinkers“ filmte Annika Larsson in zwei Berliner Bars: dem queeren The Club und der 24-Stunden-Kneipe Rote Rose. Beide Orte verschmelzen im Film zu einem Raum und einem Dialog gänzlich unterschiedlicher Personen: Die queere Performancegruppe „The Real Housewives of Neukölln“, einzelne Männer und Frauen, unterschiedlicher Herkünfte und im doppelten Sinne unterschiedliche Sprachen sprechend, zeigt Larsson inmitten von Gelächter, Trinken, Singen und Erzählen in einer programmatisch offenen und sich langsamen etablierenden Form von Gemeinschaft. Diese ist temporär und fragil, aber sie ist vorhanden.
Viele von Larssons Videoarbeiten und so auch diese agieren dokumentarisch und in einer Art fortwährendem Close-Up. Die Kamera produziert dabei an klassischen Film erinnernde Bilder. Der Schnitt aber, die fokussierende Nähe, die notorisch langsame Zeitlichkeit und die Vielstimmigkeit erzählen weniger von einer Geschichte als von einem Potential. Mittels der bewegten Bilder entsteht ein Raum, der neben normativer Kontrolle andere Formen des Sozialen und Politischen eröffnet. Es ist ein virtueller Raum, in dem sich Unerwartetes ereignet und Begegnungen stattfinden, die sich nicht notwendig so ereignet haben. Diese Form des potentiellen Erzählens, das Räume, Zeit und Denken aufbricht, berührt Grenzbereiche von Identitäten und Wahrheit.
„The Discourse of the Drinkers“ ist ein rund 40-minütiges Video über die Bar als politischen und sozialen Ort. Er findet einen Widerhall in der Annäherung des Kunstvereins an seine Verortung und seine Positionierung als offenen und transgressiven Raum.

„The Discourse of the Drinkers“ entstand bereits 2017 über einen Zeitraum von 6 Monaten. Das Video und das zugehörige Künstlerbuch markierten den Auftakt zu Larssons derzeitigem, mehrjährigen Projekt „Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image“. Es ist am Royal Institute of Art in Stockholm und der HFBK Hamburg verortet, wo Larsson Professorin ist, und wird finanziert vom Swedish Research Council. „Non-Knowledge Laughter and the Moving Image“ versteht das Bewegtbild und den Lachenden Körper als Mittel der Groteske, in dem sich ein anderes Denken, Handeln und Sein äußern und etablieren (können).

Annika Larsson (*1972, Stockholm) lebt und arbeitet in Berlin und ist seit 2018 Professorin für Zeitbezogene Medien an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Ihre Sound-Performances waren zuletzt unter anderem an der Akademie der Künste Berlin (2019) sowie im Rahmen der 58. Venedig Biennale zu sehen, im Herkules Saal, München (2018) sowie im Schinkel Pavillon, Berlin (2017). Ihr wurden Einzelausstellungen unter anderem an den folgenden Institutionen gewidmet: Museo d’Arte Contemporanea di Roma, Rom (2014); Velan Center, Turin; La Fabrica, Madrid (2010); Le Magasin, Grenoble (2005); Kunsthalle Nürnberg (2004); S.M.A.K., Gent (2002). Ihre Arbeiten sind in bedeutenden Kunstsammlungen vertreten, wie etwa dem Moderna Museet, Stockholm, dem S.M.A.K, Gent, der Sammlung Goetz, München oder dem Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León.